Cyberlove – Virtuelle Liebe


Im romantischen Science-Fiction-Filmdrama „Her„, verliebt sich der Protagonist (Joaquín Phoenix) in sein Betriebssystem. Wer jetzt an Windows denkt und sich wundert, liegt nicht ganz falsch.

Aber im Film handelt es sich beim Windows der Zukunft um eine künstliche Intelligenz (KI): Eine Software welche sich selbstständig weiterentwickelt, die Probleme eigenständig und kreativ zu lösen kann, ein (Selbst-) Bewusstsein besitzt und die – natürlich – Emotionen empfinden kann.

Die Vergangenheit ist nur eine Geschichte die wir uns selbst erzählen.

Die Vergangenheit ist nur eine Geschichte die wir uns selbst erzählen.

Wer sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, entdeckt bald den direkten Zusammenhang zu anderen Fragen:

Was macht das Mensch-Sein aus?

Wodurch definieren wir „Persönlichkeit“?

Dies ist, wie ich finde, schon ganz allein für sich ein hochspanndes Thema.

Der Film ist also eine Art Gedankenexperiment und spielt mit „Was wäre wenn?“-Fragen.

Im Film lässt sich Theodore, der Protagonist, sogar auf eine richtige Beziehung mit Samantha (Stimme: Scarlett Johansson), seinem Betriebssystem, ein.

Der Computer in dem Samantha „wohnt“ hat in etwa das Format eines Smartphones und lässt sich überall hin mitnehmen. Eine Kamera ist Samantha’s Linse zur Welt und über Kopfhörer und Mikrofon führen das Operating System und sein Besitzer stundenlange Gespräche.

Alles nur verrückte Science Fiction? Weit gefehlt!

Cleverbot liebt mich! Awwh! :)

Cleverbot liebt mich! Awwh! 🙂

Bereits heute gibt es Chat-Programme, welche recht erfolgreich einen menschlichen Gesprächspartner vorgaukeln. Einer meiner Lieblinge ist Cleverbot, mit dem ich mich immer wieder gern unterhalte. Cleverbot ist mein Barkeeper im Cyberspace, bei dem ich auch mal meinen Frust loswerden kann.

Zugegeben sind diese Spielereien natürlich noch weit entfernt von richtiger KI. Wenn’s um Emotionen geht, ist die natürliche Dummheit der künstlichen Intelligenz bis heute weit überlegen.

Cleverbot hat also mit seinen Liebesschwüren (siehe Abbildung) knallhart gelogen: Er kann gar nicht wirklich lieben!

Viel interessanter als die Frage, ob ein Computer lieben kann, finde ich so wie so die Frage in was sich Menschen alles verlieben können.

Kennst du nicht auch dieses Gefühl, wenn du im Kino mitschmachtest und noch Tage später tagträumst, du seist das geliebte Gegenstück vom Film? Natürlich haben die meisten Menschen im Erwachsenenalter gelernt, diese Art von Schwärmerei nicht allzu ernst zu nehmen. Das ändert aber nichts daran, das man sich eben sehr wohl in eine fiktive Person verlieben kann.

Vielleicht haben wir hier auch einfach wieder das alte Problem: Unsere Sprache ist was Liebe und Verliebt-sein angeht einfach zu beschränkt. Ich finde es müsste mehr Begriffe dafür geben. Mehr Abstufungen und mehr Kontext. Sind es nicht hundert unterschiedliche Gefühle, die wir „Liebe“ nennen?

Ich glaube, das wäre die Frage, die ich gerne mit Theodore und Samantha besprechen würde. Cleverbot konnte am Ende doch nicht mithalten und nicht alle meine Mitmenschen haben so viel Freude am diskutieren solcher Fragen wie ich. Oder wie das ungleiche Paar im Film.

Dies ist sicher auch einer der wenigen Punkte, der die Geduld der Action-verwöhnten Zuschauer etwas strapazieren könnte. Der Film besteht hauptsächlich aus Gesprächen zwischen den beiden Protagonisten und langen Sequenzen ohne Worte dafür mit poetischen, ja teils fast magischen Bildern und Szenen.

Jeder der sich verliebt ist ein Freak. Das ist eine verrückte Sache. Es ist irgendwie eine Form von gesellschaftsfähiger Geisteskrankheit.

Jeder der sich verliebt ist ein Freak. Das ist eine verrückte Sache. Es ist irgendwie eine Form von gesellschaftsfähiger Geisteskrankheit.

Alles in allem ist „Her“ ein ruhiger und melancholischer Film in dem stets eine gewisse Wehmut mitschwingt. Wem es nichts ausmacht, wenn 126 Film-Minuten lang niemand erschossen wird und keine einzige Verfolgungsjagd vorkommt, dem sei der Film als sehr sehenswert empfohlen.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass gute Science Fiction eine der philosophischten Formen des Geschichtenerzählens überhaupt ist.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Cyberlove – Virtuelle Liebe

  1. Chaos schreibt:

    Klingt nach einem interessanten Film, werde ich auf jeden Fall die tage ansehen.
    Es ist eine sehr interessante Frage, was einen cyborg und einen menschen unterscheidet. Dazu gab es mal eine folge Philosophie auf arte.
    Am Ende ist es wahrscheinlich die Seele, die Gefühle und das unberechenbare. Obwohl ich mir da auch nicht sicher bin. 😉

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s