Die devote Domina


Tantra war das Stichwort, aber bevor ich dazu meine Worte verliere, möchte ich zu einer anderen Spielart der (sexuellen) Liebe etwas loswerden: BDSM.
Seit irgendjemand mit einem Roman über fünfzig Schattierungen der Farbe Grau ein Vermögen verdient hat, ist BDSM offenbar salonfähig geworden.
Ganz anders 2009, als ich mit 32 Jahren meinen 13 Jahre jüngeren, zweiten Mann geheiratet habe.
Nun, alleine der Altersunterschied darf einem stutzig machen und tatsächlich war unsere Beziehung – gelinde gesagt – etwas unkonventionell.
Nummer 3 war, ganz seinem Alter entsprechend, ausgestattet mit einer unfassbaren sexuellen Experimentierfreude. Alles wollte ausprobiert werden, aber ganz besonders angetan hatte es ihm die Rolle des devoten Sex-Sklaven.
Ich hatte indess schon immer eine kleine Lehrerin irgendwo in mir und habe meinem sündhaft jungen Ehemann nur zu gerne alles gezeigt, was ich ihm in sexueller Erfahrung vorraus hatte.
Er wollte ein unterwürfiger Sex-Sklave sein? Nun gut, so wurde ich eben seine Domina.
Und wie ich eben bin, musste ich auch das mit bestmöglicher Gründlichkeit und Perfektion tun.
Als erstes habe ich Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masoch aus dem Jahre 1870 gelesen. Die Novelle des Namensgebers des Masochismus ist durchaus lesenswert.
Das Gegenstück dazu, Die 120 Tage von Sodom von Marquis de Sade, hingegen würde ich nur Leuten mit einem ganz stabilen Magen oder wirklich wenig bildhaftem Vorstellungsvermögen empfehlen.
Selbstverständlich gehörten auch Anne Rice’s Dornröschen Romane und etliche weitere „Domina Lehrbücher“ auf meine Leseliste.
Wie gesagt: Wenn ich etwas tue, dann tue ich es meist recht gründlich.

Overknee High Heel

Overknee High Heel

Als zweites habe ich ein Vermögen ausgegeben für Lack, Leder, Peitschen, Klemmen und – nicht zu vergessen – die absolut untragbaren aber trotzdem obligaten Overknee-Highheels nur um dann rauszufinden, dass mein Mann die Dinger viel lieber trägt als ich.
Hach…
Also das ganze Outfit-Programm nochmal für Schuhgrösse 45. Und ja verdammt, ihm standen damals die Dessous wirklich besser als mir.
Danach bin ich auf Baumarkt umgestiegen.
Man glaubt kaum, wieviel BDSM- und Bondage-Spielzeug in einem Migros Do-It-Yourself rumliegt, wenn man nur mit dem entsprechenden Gedanken im Kopf durch die Regale schlendert. Und so günstig.
Doch damit war natürlich immer noch nicht genug Aufwand getätigt. Denn das entscheidende kam erst: Die Story oder das Stück.
Ich habe Stunden damit zugebracht, mir immer wieder neue Szenarien auszudenken. Jedes für sich ein kleines Theaterstück zu dem ich meinen Mann eingeladen habe. Er durfte sich dann ganz entspannt einfach überraschen, verführen, bespielen lassen.
Nun, er fand’s gut. Ich – offen gesprochen – eher anstrengend.
Fein, ich bin ein Control-Freak und stehe dazu. Aber das?
Wie devot muss man sein, wenn man für eine Stunde Sexspiel fünf oder gar sechs Stunden Vorbereitungen auf sich nimmt und dabei auch noch jede Menge Kohle verpulvert. Wenn man wie verbissen Seemann’s Knoten übt, ohne auch nur in der Nähe einer Yacht zu sein. Wenn man dann einem anderen ein wunderbares, erotisches, perfektes Feuerwerk serviert, ohne davon wirklich etwas zu haben?
Ich würde sagen: Super devot!
Okay und fuck off… ich war die devoteste Domina ever und habe mir nachdem nach drei Jahren die Luft raus war, geschworen: nie nie nie wieder BDSM.
So ist das mit diesen wunderbaren kleinen Sex-Fantasien: Die meisten davon sind tausend Mal besser, wenn man sie liest als wenn man sie lebt.

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6 Gedanken zu “Die devote Domina

  1. martin schreibt:

    Fehlt nur noch der dominante Sklave:-)

    Nein, wenn schon, dann müssen immer beide Seiten Spass daran haben (Ob Dom,Sub, Switcher etc…)! Und Aufwand und Nutzen sollten in einem gewissen Verhältnis stehen, umso mehr, da der wichtigste Teil bei solchen Spielarten die Akteure sind und nicht die Accessoires! l.g martin

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