Tantra oder viel zu viel Trallala


Tantra war das Stichwort und natürlich habe ich auch das schon ausprobiert. Vermute, das überrascht jetzt nicht wirklich.

Auf meinem langen Weg zum Atheismus gibt es wahrscheinlich kaum eine religiöse oder esoterische Spinnerei, mit der ich mich nicht beschäftigt habe. Und fernöstliche Lehren kombiniert mit einer guten Prise Sex haben schon das Kamasutra auch hier im Westen zu einem Verkaufsschlager gemacht.

Wer denn unbedingt mehr Infos zu den tantrischen Lehren (und ja, es sind mehrere die sich teils markant unterscheiden) haben muss – also Interesse an dem ganzen religiösen, mythischen, esoterischen Klimbim drumherum hat – darf sich gerne selber schlau machen:

http://www.lmdfdg.at/?q=tantra

Nach meinem Verständnis ist Tantra eine Ritual-Sammlung und das Ziel des Ganzen ist die Vereinigung von zwei Gegensätzen die eigentlich unvereinbar sind: Mann und Frau.

Ich kam über Osho zum Thema und da sich die Theorie für mich damals überaus hübsch anhörte (und das ist sie ja auch) und es mir logisch erschien, Verletzungen die durch Sexualität entstanden sind auch mit Sexualität zu heilen, musste ich natürlich auch die Praxis unbedingt ausprobieren.

Das „Ausziehritual“ finde ich bis heute besonders schön und zum Nachmachen empfohlen.

Je nach Geschmack richtet man sich dazu seinen kleinen tantrischen Tempel ein. Ein ungestörter Ort. Populär sind Sitzkissen, Räucherstäbchen und bunte Tücher.

Danach zieht man sich – kurz zusammengefasst – aus und zeigt dem jeweils anderen ganz bewusst seine realen oder eingebildeten Schönheitsmakel. Der andere antwortet mit liebevollem Annehmen und heilender Berührung.

Der genaue Ablauf von diesem und weiteren Tantra-Ritualen ist hier nachzulesen: Tantra Rituale

Und ja, das ist Piratenware. Ich habe mir die Ritualmappe gekauft und da ich prinzipiell der Meinung bin, dass Heilsversprechen immer kostenlos sein sollten, biete ich es hier zum Download an. Mit lieben Grüssen an den Spielverderber der mich beim Herausgeber verpetzen wird.

Nachdem ich eine Handvoll weitere Tantra-Rituale ausprobiert hatte, habe ich es aufgegeben. Die Rituale sind wohltuend und irgendwie nett, aber gleichzeitig irgendwie unsexy.

Das Ganze ist mir viel zu gezwungen, viel zu kontrolliert. Bewusstheit ist ja auch eines der erklärten Ziele.

Für mich ist das genau das Gegenteil von „gutem Sex„. Sex sollte sein wie ein Tsunami, der das Bewusstsein wegfegt und nichts zurücklässt ausser zwei Körper die sich gegenseitig verzehren.

Ich brauche nicht noch mehr Anleitung und Gelegenheit, mir den Kopf darüber zu zerbrechen ob ich denn jetzt auch wirklich alles richtig machen.

Davon habe ich schon genug.

Viel heilsamer ist für mich der Nebeneffekt, eben nicht mehr denken zu müssen und das erreiche ich beim besten Willen nicht, wenn ich aufpassen muss, dass ich und mein Partner bei der Namasté-Verneigung nicht die Köpfe aneinanderknallen.

Fazit: Tantra als Körpertherapie ist vollkommen in Ordnung. Tantra als Weg zur sexuellen Erfüllung eher nicht.

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2 Gedanken zu “Tantra oder viel zu viel Trallala

  1. Ein Bewunderer von dir schreibt:

    Vorerst vielen Dank für deinen Blog zu Tantra. Über das „Vereinigen von zwei Gegensätzen, die eigentlich nicht zusammenpassen“ musste ich gehörig schmunzeln.
    Beim Lesen der Ritualsammlung ist es mir gleich ergangen wie dir. Sehr viel Trallala mit dem Hintergedanken Geld zu verdienen. Nun habe ich auch verstanden, dass es nicht „DAS“ Tantra gibt, sondern viele unterschiedliche Interpretationen und Self-Made-Spezialisten.
    Ich bin am Lesen des Buchs „Zeit für Liebe“ von Diana Richardson. Sie bezieht sich vor allem auf eigene Erfahrungen und erklärt, wo und wie sie mit Tantra zu sexueller Erfüllung gekommen ist – ganz ohne Tempel, Weihrauch und Räucherstäbchen.

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